Der Altarrraum

Zum Fenster hinter dem Altar war schon weiter vorn etwas zu lesen.

Form des Altarraums

Was wir heute sehen, ist noch nicht sehr alt. Wieder ist es das Jahr 1886, das die Veränderung brachte. Aber schon vorher war unsere Kirche mehrmals erweitert worden. Niemand weiß, wie sie früher einmal wirklich nach Osten abgeschlossen hat.
Unsere Kirche wirkt innen auf den ersten Blick, als hätte sie eine Apsis . Das ist eine Täuschung. Wenn Sie außen an der Ostseite der Kirche entlang gehen, sehen Sie eine gerade Wand. Ausschließlich durch die Innengestaltung des Altarraumes wird dieser Eindruck erweckt.
Links und rechts des Altarplatzes befinden sich Räume. Rechts unten ist die Sakristei. In diesem Raum bereitet sich der Pfarrer auf den Gottesdienst vor. Darüber erkennen Sie eine Loge. In dieser saß in früheren Zeiten die Familie des Pfarrers während des Gottesdienstes. Die beiden Räume links vom Altar sind die ehemaligen Logen der Rittergutsbesitzer von Wiesenburg (oben) und Silberstraße (unten).

Ausstattung

Altar

Der jetzige Altar ist ein einfacher Blockaltar. Ihm fehlt jeglicher Schmuck. Früher hatte unsere Kirche einen Flügelaltar. Von ihm sind nur noch die Figuren erhalten, die im Altarraum und über dem Lesepult hängen. Ein Künstler aus Zwickau fertigte in seiner Werkstatt im Jahr 1506 diese Figuren. Sein Name ist Peter Breuer. In einigen Kirchen der Umgebung finden Sie nicht nur weitere Figuren von ihm, sondern sogar vollständig erhaltene Altäre.

 

Figuren

Die Figuren im Altarraum und über dem Lesepult entstammen einem Schnitzaltar, den Peter Breuer 1506 für unsere Kirche geschaffen hat. Der Altar selbst ist 1847 aus der Kirche entfernt worden, weil er baufällig war. Die Figuren blieben aber erhalten. Ihre Anordnung entspricht freilich nicht der des ehemaligen Altars. 



Maria mit dem Kinde

jetzt über unserem Lesepult, früher in der Mitte des Altars, war die Hauptfigur. Sie ist eine sogenannte Mondsichelmadonna. Ihr rechter Fuß tritt in eine nach oben offene, liegende Mondsichel. Daher haben solche Figuren ihre Bezeichnung. Zum Verständnis dieses Wortes hilft uns die Offenbarung des Johannes. Dort lesen wir im Kapitel 12
"Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen."
Die Offenbarung des Johannes verwendet sehr viele sprachliche Symbole. Auf keinen Fall ist mit der besagten Frau die Mutter Jesu gemeint. So aber hat sie Peter Breuer mit Sicherheit verstanden.
Maria wurde umgeben von den Brüdern Jakobus (links, mit Hut) und Johannes (rechts, mit Kelch). Beide sind biblische Personen. Sie gehörten zu den zwölf Jüngern Jesu. In den Flügeln des Altars standen Barbara und Katharina. Beide sind legendäre Heilige aus der letzten Zeit des Römischen Reiches.

 

Jakobus der Ältere

Wie sein Bruder Johannes (s. nächste Figur) war er Fischer am See Genezareth. Beide wurden von Jesus zur direkten Nachfolge berufen. Beide haben zusammen mit Petrus mehrfach besondere Erlebnisse mit Jesus gehabt. Sie waren zum Beispiel bei der Verklärung dabei, sie begleiteten Jesus in das Gemach, in dem die Tochter des Jairus aufgebahrt war und erlebten deren Auferweckung. Jesus erwartete allerdings von den Dreien auch einen besonderen Gebetsdienst in der Nacht, als er gefangengenommen wurde. An dieser Stelle haben alle drei versagt. Trotzdem vertraut ihnen Jesus später besondere Aufgaben an. Sie haben durch ihre Niederlagen gelernt, nicht auf eigene Stärken zu vertrauen. Die Apostelgeschichte berichtet im Kapitel 12 über das Ende des Jakobus:

Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu mißhandeln.
Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert.


Der Evangelist Johannes

Von den vier Evangelien im Neuen Testament ist das Evangelium des Johannes ein besonderes. Johannes beschreibt nicht so viele einzelne Begebenheiten aus dem Leben Jesu wie die anderen Evangelisten, aber er vermittelt eine einzigartige Schau von Jesus als dem ewigen Sohn Gottes.
Im Neuen Testament wird Johannes beschrieben als "der Jünger, den Jesus liebhatte". Das dürfte wohl daher kommen, dass Johannes schon beizeiten ein besonderes Gespür für die Einzigartigkeit Jesu hatte.. Jesus hatte so großes Vertrauen zu ihm, dass er seine Mutter in der Stunde seines Todes diesem Jünger anvertraute:

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. (Joh. 19,26.27)

Das war eine Willenserklärung ähnlich einem Testament. Diese Vorsorgemaßnahme sollte Maria der Fürsorge des Johannes unterstellen. Maria war ja zu diesem Zeitpunkt schon Witwe. Als solche wurde sie vielfach nicht ernst genommen. Deshalb war es Pflicht eines jeden Sohnes, für die Mutter zu sorgen. Das konnte Jesus nicht mehr verwirklichen. Deshalb sorgt er mit letzter Kraft für geordnete Verhältnisse. Nun hatte aber Jesus Brüder. Warum überließ er seine Mutter nicht denen? Darüber können wir nur Vermutungen anstellen. Am meisten dürfte einleuchten, dass die Brüder Jesu zu diesem durchaus nicht in so gutem Verhältnis standen wie der Jünger Johannes.
Unsere Figur hält in der linken Hand einen Kelch. Damit ist ein Hinweis auf das Wort Jesu gegeben:

"Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tag." (Joh. 6,54) 

 

Barbara

Die linke der beiden Frauen trägt einen Teil ihres Namens auf dem Saum des Dekolletees. Ihre Lebensbeschreibung besteht wie bei Rochus aus Legenden. Wir haben also in gleicher Weise behutsam mit ihren Daten umzugehen.
Sie soll im 3.Jahrhundert (also zur Zeit der Christenverfolgung) gelebt haben und wird als ein außergewöhnlich schönes, heidnisches Mädchen beschrieben. Immer wieder habe sie Kontakt zu Christen gesucht. Der Vater wollte das verhindern und ließ einen Turm errichten, in dem er das Mädchen zu verwahren gedachte.
Sie offenbarte ihm jedoch, dass sie bereits Christin sei, worauf er sie zum Statthalter, einem fanatischen Christenverfolger, schleppte. Selbst Folter konnte sie nicht von ihrem Glauben abbringen, so wurde Barbara schließlich zum Tode verurteilt und hingerichtet. 

 

Katharina

Von den fünf bekannten Frauen mit von Namen Katharina ist unsere die Katharina von Alexandria. Wiederum ist ihre Lebensbeschreibung eine Legende. Es gilt das grundsätzlich von Rochus Gesagte.

Katharina war eine außergewöhnlich kluge und schöne Königstochter.
Zu ihren Lebzeiten regierte der Kaiser Maxentius . Er war der letzte Christenverfolger vor Kaiser Konstantin dem Großen. In seinem Bestreben, den alten Göttern zum Recht zu verhelfen, besuchte er auch die Metropole Alexandria. Von den Einwohnern in dieser Stadt forderte er die üblichen Opfer. In Alexandria gab es viele Christen, die sich alle einschüchtern ließen. Nicht aber Katharina. Sie bekannte ihren Glauben und verweigerte alles, was diesem entgegenstand.
Damit hätte sie eigentlich sofort die Todesstrafe erleiden müssen. Aber von ihrer Schönheit beeindruckt, wollte der Kaiser ihr eine Gelegenheit einräumen, sich zu besinnen. Er bestellte 50 Philosophen, die aber allesamt der Klugheit von Katharina nicht gewachsen waren und statt sie vom Glauben abbringen zu können sich selbst taufen ließen. Sogar den Märtyrertod nahmen sie auf sich.
Katharina wurde daraufhin gefoltert, aber die Folterinstrumente gingen kaputt. Schließlich ordnete Maxentius ihre Enthauptung an.

Deshalb wird Katharina manchmal mit einem Schwert dargestellt. Unsere Figur umfaßt lediglich mit der rechten Hand den Schwertgriff. Das Schwert selbst existiert nicht mehr. 

 

Die Schrifttafeln

Vier Tafeln mit Bibelsprüchen zieren die Wände links und rechts vom Altar. Diese Tafeln stammen aus dem Schloß Wiesenburg. Früher hatte das Wiesenburger Schloß eine eigene Kapelle. Zeitweilig war dort sogar ein eigener Pfarrer im Dienst. 

Die Glocken und die Uhr

Heute hat unsere Kirche wieder ein Bronze-Geläut. Die mittlere Glocke wurde 1603 von einem Zwickauer Meister gegossen, die beiden anderen stammen aus dem Jahr 2003. Sie wurden in Passau bei der Fa. Perner gegossen. Die beiden jungen Glocken sind anstelle von zwei Stahlguss-Glocken beschafft worden. Diese mussten nach reichlich 80 Jahren ihren Dienst beenden. Sie stehen jetzt in der Nähe des Eingangs unserer Kirche.

Für den ersten Weltkrieg musste unsere Gemeinde - wie viele andere Gemeinden auch - zwei ihrer Glocken hergeben, weil das Material für die Kanonenherstellung genommen werden sollte. Für diese konfiszierten Glocken beschaffte die Gemeinde 1921 Ersatz: Das Geläut ergab einen Dreiklang in D-Dur (d fis a). An Gewicht hingen damals in unserem Glockenstuhl immerhin 3850 kg. Die große Glocke wog 2200 kg, die mittlere 1100 kg und die kleine 550 kg. Das alles brachte man früher ohne Kran, sondern nur mit einem Flaschenzug in den Turm.

Mit unserem neuen Geläut hatten wir es da beträchtlich einfacher. Die Glocken sind leichter, kleiner und Krantechnik stand uns außerdem zur Verfügung. Das Gewicht ergibt jetzt ca. 1850 kg. Die ehemals größte Glocke wiegt allein mehr...

Das jetzige Geläut ergibt einen Akkord in -moll. Vielleicht hören Sie ja wenigstens einen Glockenschlag. Wenn Sie den Schlag zur vollen Stunde hören, wundern Sie sich bitte nicht: die Zahl der Stunden erklingt zweimal und zwar auf verschiedenen Glocken. Die Uhr hat ein mechanisches Werk, und wurde in Leipzig vom "Königl. Sächs. & Herzogl. Altenburg. Hoflieferant" B. Zachariä gefertigt, ihr Baujahr ist uns nicht bekannt.

Die Zeiten für das Gebetsläuten (Glocke von 1603) an Werktagen sind 6.00 Uhr, 11.00 Uhr und 18.00 Uhr im Sommerhalbjahr, bzw. 7.00 Uhr, 11.00 Uhr und 17.00 Uhr im Winterhalbjahr. 

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